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Menschliches

Herr Jansen, aus Ihrer Vita ist zu entnehmen, dass Sie lange Jahre Ihrer Jugend in Spanien verbracht und dort das deutsche Gymnasium abgeschlossen haben. Inwiefern konnten Sie aus dieser Zeit Erfahrungen sammeln, die für Sie prägend sind?
Meine Erfahrungen gehen in erster Linie in Richtung Kommunikation und Mentalitätsverständnis, denn die kulturellen Rahmenbedingungen und die Historie Spaniens ermöglichen ein anderes Umfeld. Das bedeutet, dass jemand, der in der Lage war, sich dort anzupassen bzw. aufzuwachsen, gut gewappnet ist für weitere Erfahrungen in anderen Regionen der Welt. Das Idiom selbst beherrsche ich gleichermaßen wie englisch und deutsch. Doch weit prägender war für mich die Begegnung mit der spanischen Hingabe und dem im Vergleich zu Nordeuropäern stärker ausgeprägten Mut. Diese spanischen Leidenschaften habe ich begeistert eingefangen.
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Während Ihrer Managementtätigkeit sind Sie berufsbedingt insgesamt fünf Mal innerhalb Europas umgezogen. Fühlten Sie sich während dieser Zeit als Nomade und wie ist Ihre Familie mit den häufigen Umzügen zu Recht gekommen?
Nein … (lacht) – als Nomaden haben wir uns nicht gefühlt – wir sind immer mit der Einstellung umgezogen, dass wir die Herausforderungen ohne zeitliches Limit in Angriff nehmen wollten – wir sind also immer mit der ganzen Familie, sozusagen mit Haus und Hof, umgezogen ohne den Anspruch einer „Rückkehr“. Nach zehn Jahren trat allerdings eine familiäre Notwendigkeit ein und es bot sich die Chance, wieder in das Rhein-Main-Gebiet zurückzukehren, wo wir nunmehr auch zum Wohl unserer Kinder sesshaft geworden sind.

Meine Recherchen haben ergeben, dass Sie neben bedeutenden Verantwortungsbereichen u. a. der „Jahr2000-Manager“ bei HP waren. Eine derartige Vita müsste Sie doch mit Stolz erfüllen? Trotzdem erwähnen Sie Auszeichnungen nicht auf Ihrer Homepage und sind überhaupt sehr sparsam im Umgang mit Titeln. Auf Ihrer Visitenkarte zum Beispiel erwähnen Sie auch keine Titel.
Erfahrung und Hingabe lassen sich nicht in Titel verpacken – also lasse ich diese weg. Wenn jemand meine Erfahrung mit theoretischem Detailwissen paaren will, dann macht man das ehedem mit aktuellen Entwicklungen und neuen Erkenntnissen sowie mit Bezug zur Aufgabenstellung - und nicht nur mit Hilfe der „alten Bücher“ aus der Diplom-Zeit. Ich freue mich aber, dass die Kontakte zu Hochschulen und anderen Fachbereichen unverändert aktiv sind und wir gemeinsam schon allerlei Konzepte haben entwickeln können.
Was hat Sie veranlasst, ein bedeutendes Unternehmen wie Hewlett Packard zu verlassen und den ungewissen Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen? Oder anders gefragt: Stellte die Selbstständigkeit für Sie überhaupt ein Wagnis dar?
Nein – das war kein großes Wagnis – eher war es meine persönliche Reifekurve, die einen Punkt erreicht hatte, bei dem der Wechsel für beide Seiten Erfolg versprechend war. Aber, mit einer guten Ausbildung, einem klaren Geschäftsplan und einer sauberen Positionierung war der Schritt in die Selbstständigkeit einfacher möglich.

Ein Sprichwort heißt: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine resolute Frau“. Welchen Einfluss spielt Ihre Frau in Ihrem Leben?
Sicherlich den größten … Wie in einem Cockpit eines Verkehrsflugzeuges verlässt man sich aufeinander und ergänzt sich für eine zielgerichtete Entwicklung. – Im Notfall müssen beide den Job des anderen beherrschen. Erfreulicherweise waren die Notfälle bislang selten, also treiben wir mit doppelter Kraft unsere Ziele voran!
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Sie sind leidenschaftlicher Erfolgstrainer. Woher nehmen Sie die Motivation, sich für kranke Unternehmen einzusetzen und andere Menschen zu innerer Stärke und selbstbewusster Größe zu führen?
Ich glaube an die Kraft, die in guten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen steckt – und habe es bis dato immer geschafft, die Eigenbewegung der Mitarbeiter zu entfachen.
Die Motivation für mich selbst schöpft sich auch aus der Erkenntnis, dass die Mitarbeiter, die mit mir zusammengearbeitet haben, das Gelernte gut umgesetzt und einen Teil meiner positiven Sichtweise wie einen „guten Virus“ aufgenommen haben.

Ein intensiver Einsatz beim Kunden kann je nach Einsatz sehr emotional verlaufen. Immerhin nehmen Sie bisweilen auch psychologische Aufgaben wahr. Wie gelingt es Ihnen, Abstand zu wahren?
Guter Service kommt von Herzen – und wenn da keine Emotionen frei werden, würde etwas falsch laufen… Abstand kann ich zu Anfang eines Projektes nur schwer finden – das möchte ich zugeben – aber, sobald der Kunde mit meiner Hilfe einen Plan und eine Eigenbewegung entfacht, kann ich durch örtliche und zeitliche Distanz wieder besser meine Rolle definieren und mich dann mit meiner Familie und sportlicher Aktivität ausbalancieren. Richtig heilsam ist ein guter Mittagsschlaf – hiernach kommen mir die besten Einfälle…
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Worin sehen Sie Ihre eigenen Stärken und welche Eigenschaft würden Sie für sich als Ihre größte Schwäche definieren?
Unternehmerische Ungeduld…! – Ich lasse nichts liegen und stehe zu meinen Zusagen. Trotz der pünktlichen Erfüllung innerhalb des geplanten Zeitrahmens will ich dennoch ausreichend Zeit haben für die Mitarbeiter und neue Anfragen meiner Kunden – also bin ich innerlich meistens ein bisschen ungeduldiger als ich eigentlich bräuchte …
Sie sind berufsbedingt in allen Kontinenten zu Hause, sozusagen ein regelrechter Globetrotter. Können Sie sich noch an Kleinigkeiten erfreuen?
Auf jeden Fall! Meine Sinne sind immer auch auf Kleinigkeiten aus – Beispiel: Guter Service während der Reise, bzw. bei Unterkunft und Verpflegung. Manchmal bin ich geradezu begeistert, wie unbekümmert und natürlich andere Nationen mit dem Thema Service umgehen – da können wir noch einiges lernen und umsetzen…
Ihr Terminkalender ist reichlich ausgebucht. Welche gefühlsbehafteten Dinge packen Sie in Ihren Reisekoffer mit ein?
Ich habe bei der Reise eigentlich nur das Nötigste dabei – aber ein von meiner Tochter selbst gebasteltes Reise-Necessaire voller Hingabe und Symbolik – das begleitet mich überall hin.

Welche sind Ihre persönlichen Ziele, die Sie noch unbedingt realisieren möchten?
Für die nächsten Jahre habe ich mir mit meiner Frau das Thema Lebensstil und physische Fitness vorgenommen. Aber die Pflege und Intensivierung meiner Bekanntschaften bis hin zur Freundschaft ist mir gleichermaßen wichtig.
Herr Jansen, die Welt ist voll von gut gemeinten Ratschlägen. Welcher Ratschlag war für Sie der wertvollste in Ihrem Leben?
„Take your time“ – Nimm dir mehr Zeit – hier habe ich selbst noch einiges an Potential.
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Treten wir gedanklich eine Zeitreise an und versetzen uns 30 Jahre in die Zukunft. Welcher Entwicklung sähen Sie bekümmert entgegen und welche Aussicht könnte ein positiver Lichtblick sein?
Mit Besorgnis erfüllen mich politische Entwicklungen, die unser friedvolles Zusammenleben bedrohen könnten, wie etwa ein unheilvoller Krieg, der letztendlich Not und Schrecken verkörpert. Der positive Ausblick liegt eindeutig darin, die notwendigen Veränderungen in unserer Gesellschaft auch ohne radikale Einflüsse gleichermaßen erfolgreich zu meistern – dazu will ich meinen Beitrag leisten.
Herr Jansen, wären Sie zu einem kleinen Spiel bereit? - Welche Assoziationen verbinden Sie mit den folgenden Begriffen:
Würden Sie zum Abschluss noch folgenden Satz zu Ende führen: Meine Philosophie ist …
„Geht nicht – gibt’s nicht“ – so einfach kann es sein.

Vielen Dank für das Interview.
© 2001 - 2010 Lutz Jansen Unternehmensberater BDU | Diese Seite verschicken |
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